Coole Chars und irre Ideen oder: Was man so beim Rollenspiel erlebt

Times when I just can’t
Bring myself to say it loud
‘Fraid that what I’ll say comes out somehow awry

That is when it seems
We move in circles day to day
Twist the drama of the play to get us by

And it feels like fear – Like I’ll disappear
Gets so hard to steer – Yet I go on
Do we need debate – When it seems too late
Like I bleed but wait – Like nothing’s wrong…

Poets of the Fall – Lift

Manchmal schon unheimlich, wie passend die Lieder sind, die gerade zufällig in der Playlist laufen. Ich muß mich für die lange Untätigkeit entschuldigen (falls es tatsächlich jemanden gibt, der auf neue Artikel gewartet hat *grinst*). Doch viel Trubel im RL und ein Todesfall in der nahen Verwandtschaft führten dazu, daß ich so ziemlich alles außer Rollenspiel im Kopf hatte. Phew… so langsam pendelt sich aber der Alltag wieder ein, und Rollenspiel gehört zum Glück dazu.

Es sieht so aus, als würde ich bald die Chance erhalten, an der Borbarad-Kampagne teilzunehmen. Ein alter Hut, ich weiß – aber diese Kampagne zu spielen, war schon seit Jahren ein Traum von mir, und ich bin froh, daß es nun endlich klappt. Die Gruppe kenne ich zwar größtenteils noch nicht, aber was ich bisher gehört habe, klang sympathisch. Ursprünglich wollte ich ja einen Magier spielen, aber nun ist der Gruppe ein Geweihter abgesprungen und diesen Job mache ich bedeutend lieber. Dafür wird mein Bruder den magischen Part übernehmen.

Mein “character of choice” wird eine Golgaritin sein. Oha, einer von diesen Charakteren, denkt ihr vielleicht – ultracool und Mary Sue-verdächtig! Nun, die Gefahr besteht wirklich. Die schweigsamen, unnahbaren Ordenskrieger lassen einen leicht in die “Ich bin so cool, daß dein Ignisphaero gefriert”-Falle tappen. Ein angemessen dramatischer Hintergrund kann sein Übriges dazu tun. Und ja, ich gebe es zu: Meine erste Golgaritin ging wirklich in diese Richtung. Gut, ich war jung und naiv *hüstel*, aber im Nachhinein betrachtet hätte der Charakter gut in eine DSA-Seifenoper gepaßt…

Diesen Fehler möchte ich nicht wiederholen. Ich behaupte mal ganz frech, daß ich mitterweile eine bessere Vorstellung von Rollenspiel an sich und Charakterkonzepten im Besonderen habe *grinst* (Und älter geworden bin. Ja, ich weiß. Danke, Brüderchen ;-P) Zumindest eine, mit der meine Runde zurechtkommt – auch wenn sie mein Faible für konsequent ausgespielte Nachteile ertragen muß. Besonders im Bereich von Halbwissen und Aberglauben sammelt sich da auch während des Spielens einiges an (siehe Biberphobie *hust* Was müssen die meinem naturkundlich unbedarften Charakter auch erzählen, daß die Dinger ganze Bäume fressen?!). Allerdings fürchte ich oft, daß man es auch in diesem Bereich übertreiben kann. Eine gesunde Balance zwischen Vor- und Nachteilen und dem allgemeinen Konzept zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Wer ständig auf den tollen Fähigkeiten seines Charakters herumreitet, kann nach einer Weile ziemlich nerven – und das gilt auch für diejenigen, die ständig seine Schwächen und Marotten ausspielen müssen. Es kann charmant und unterhaltsam sein, so lange man es nicht überstrapaziert.

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Apropos überstrapaziert: Ich bin kürzlich, beim Gastspiel in der Runde eines Freundes, auf ein Phänomen gestoßen, welches ich bisher für ein Gerücht hielt: Rollenspiel-Mädchen.

Nein, damit meine ich nicht rollenspielende Mädchen und Frauen an sich. Diesem Phänomen bin ich schon so oft begegnet, daß es für mich mittlerweile die Norm darstellt. Fast alle meine Runden bestanden und bestehen zu mehr als 50% aus weiblichen Spielern – die meistens Männer spielen. Seltsam, aber wahr.

Ich meine vielmehr Rollenspielerinnen, die so ziemlich jedes “mädchenhaft-tussige” Klischee erfüllen, das einem spontan in den Sinn kommt. Zunächst wird über jeden Aspekt des Charakter diskutiert. Die Haarfarbe muß möglichst ausgefallen sein, und dasselbe gilt für die Augen – wobei die manga- und animegeschädigten Mädels natürlich am liebsten Katzenaugen hätten. (Hier bitte ein quietschiges “Büüüüüttääääähhhh!!!” einfügen.) Um die eigenen Vorstellungen durchzusetzen, wird gebettelt, gedroht und bestochen, was das Zeug hält. Kein Erfolg? Dann wird die Schmollippe ausgefahren, bis die Damen eine neue fixe Idee entwickelt haben. Ein Haustier möchten sie haben. Plüschig und rosa soll es sein. Büüütttäääh!!! Mit meinem Vorschlag, ihnen als “plüschigen Begleiter” ein verschimmeltes Brot anzudrehen, waren sie nicht gerade glücklich.

Ich hätte spätestens in dem Moment gehen sollen, als ich erfuhr, daß eine von ihnen bei DSA (sic!) einen blauen aufrechtgehenden Fuchs spielt, der von einem Dämonen geschwängert wurde. Aber ein Anfall von Masochismus – und die Tatsache, daß besagter Kumpel ein Auto hatte, ich aber nicht – bewog mich zum Bleiben. Leider.

Die Runde wurde wirklich interessant. Es gab zwar keine rosa Haustiere, und es durfte auch niemand einen Charakter spielen, der aussah wie Volk X, aber die Fähigkeiten von Volk Y hatte. (Das wollten sie wirklich *seufzt*) Doch ich erhielt einen aufschlußreichen Einblick in das, was ich mangels treffender Worte fortan als TP (“Tussiplay“) bezeichnen möchte. TP scheint in verschieden ausgeprägten Varianten zu existieren und unter anderem die folgenden Merkmale zu besitzen:

  • Du mußt deinen Willen bekommen. Um jeden Preis. Drohe, bettle, klimpere mit den Augen. Funktioniert das nicht, werde wütend oder schmolle.
  • Spiele deinen TP-Charakter entweder, indem du (a) deine Stimme in die höchstmögliche Tonlage zwingst, großäugig zum Spielleiter aufblinzelst, optional lispelst oder auf andere Weise versuchst, “kindlich-süß” zu sein, selbst wenn das nicht zum Charakterkonzept paßt; oder (b) als rebellischen Teenager, der, wenn ihm (bzw. dir, denn du mußt ja deinen Willen bekommen!) ein Plotelement nicht paßt, Wutanfälle bekommt und Leute tritt, kratzt, beißt oder anzündet, selbst wenn das gegen örtliche Gesetze verstößt, sinnlos ist oder nicht zum… ah, schon gut.
  • Kreische los, wenn jemand ein “süüüßes” oder “cooooles” Wort erwähnt. Von ‘rosa’ bis ‘Vampir’ ist alles erlaubt, was auch einem vierzehnjährigen Plüschgoth gefallen könnte.
  • Du. Willst. Katzenaugen.
  • Im TP existieren keine festen Regeln und biologisch ist sowieso alles möglich. Versuche deinen Spielleiter von Hybriden, Körpertausch und Dämonen zu überzeugen. Falls du etwas kleiner anfangen möchtest: “Volk X hat IMMER UND AUSSCHLIESSLICH schwarze Haare” bedeutet nicht, daß auch dein Charakter aus Volk X schwarze Haare haben muß. Verhalte dich hierbei gemäß Punkt 1, auch – und vor allem – wenn du scheitern solltest.
  • Es ist egal, wie alt du bist. Im TP mußt du nicht mehr vierzehn sein, aber du darfst dich trotzdem so verhalten. Ingame wie outgame.
  • Sei konsequent! Wenn du deinen Spielleiter nicht mit einer einzelnen Idee mürbe machen kannst, erfinde weitere und nerv… ähm, überzeuge ihn so lange hartnäckig davon, bis es dir langweilig wird. Dann lasse dir einen neuen Wunsch einfallen und verfahre mit diesem wie zuvor. Lasse dich hier bevorzugt von Animes/Mangas inspirieren!

Disclaimer: Ich behaupte nicht, daß dieses Verhalten für alle rollenspielenden Mädchen und Frauen typisch ist. Vermutlich nicht mal für die Mehrheit von ihnen. Ich behaupte auch nicht, daß ich das Phänomen als erste entdeckt und/oder ausführlich beschrieben habe… ich mußte mir nur einmal Luft machen *zwinkert* Und wo ich gerade dabei bin: Hat jemand von euch schon einmal eine solche Art des Rollenspiels erlebt? Vielleicht sogar bei (postpubertären) männlichen Mitspielern? Tritt es nur bei weiblichen Charakteren auf? Was haltet ihr davon, wie haltet ihr es aus, habt ihr vielleicht selbst schon eimal TP betrieben? Das könnte DIE große soziospielologische Untersuchung werden, Leute!

…ähem *räuspert sich* Oder betrachtet es einfach als die halb verwirrte, halb augenzwinkernde, subjektive Aussage einer Spielerin, die über irgend etwas schreiben mußte, um ihren Blog zu füllen ;-)

Die Zwölfe mit euch,

Yazz~

Bürger, Bauern und Umfragen (2)

Die Umfrage läuft fleißig weiter, und seit dem letzten Zwischenbericht sind 9 Stimmen dazugekommen. Zeit für eine erneute Analyse!

Erstaunlicherweise hat sich der Abstand zwischen den einzelnen Antworten nicht weiter vertieft, im Gegenteil – die verschiedenen Möglichkeiten haben sich einander noch angenähert. Eine Vorliebe für die “oberen Schichten” gibt es nur noch in 36% (10 Stimmen) der betreffenden Runden, während in 29% (8 Stimmen) eher “einfaches Volk” gespielt wird. Der Unterschied war in der letzten Zwischenbilanz noch größer. Auch die Runden, in denen der Schwerpunkt auf einer der beiden Bevölkerungsschichten liegt, sind in ihrer Prozentzahl “nähergerückt”: 11% (3) stimmten für das einfache Volk, 14% (4) für die Oberschicht. Die Anzahl der ausgeglichenen Runden ist mit 2 gleich geblieben, macht aber nur noch 7% der Gestamtstimmen aus. Außerdem hat eine Person (= 4%) für “Kann ich nicht pauschal sagen/Etwas ganz anderes” gestimmt. Da würde mich ein genauerer Bericht wirklich interessieren, anonymer Teilnehmer: Wie sieht deine Runde aus? :-)

Wie schon beim letzten Mal erwähnt, wird diese Umfrage weiter offen bleiben. Sobald sich das Resultat oder die Stimmenzahl erkennbar ändert, wird es einen erneuten Zwischenbericht geben. Ich bin gespannt, ob sich wieder Prioritäten zeigen oder ob es weiterhin ausgeglichen sein wird. (Und natürlich ist so eine Analyse eine gute Methode, meinen Blog zu füllen, wenn mir nichts anderes einfällt ;-) )

Das schwere Los, ein Magier zu sein

Den Zwölfen und vor allem Hesinde zum Gruße!

Ich hatte nicht geahnt, wie schwer es sein kann, einen Magier zu spielen. Das liegt vermutlich daran, daß ich es noch nie wirklich getan habe – abgesehen von einzelnen “Oneshot”-Runden war ich bisher immer Kämpfer, Geweihter oder eine Mischung aus beidem. Aber nun fehlt in einer anstehenden Runde die arkane Fachkraft und es bietet sich mir die Chance, einmal über meinen Tellerrand zu blicken.

Bei der Charaktererstellung ging es schon los. 30 GP im Minus? Talente und Zauber von den Talent-GP steigern? Ohaa. Dann mußte bei den Zaubern auch noch berücksichtigt werden, ob Begabungen, Unfähigkeiten oder Merkmalskenntnisse vorliegen. Ich kam schließlich zu der Überzeugung, daß Magierspieler entweder mathematisch begabt oder leicht masochistisch sein müßten, und beschloß, einfach einen Prototypen zu verwenden und für meine Zwecke anzupassen. Was natürlich auch dadurch begründet sein könnte, daß ich meinen Taschenrechner nicht finde… ;-)

Zumindest waren mir die weltlichen Talente in ihrer Wirkung bekannt, die Zauber dagegen waren (und sind) für mich noch ein Buch mit sechs hesindegefälligen Siegeln. Ich weiß, daß viele davon ziemlich schmerzhaft sein oder einen Charakter auf andere unschöne Weise betreffen können. Nicht umsonst leidet mein derzeitiger Hauptcharakter an Arkanophobie und beschäftigt sich höchstens mit der effektiven Vermeidung von Zaubern. (“Mir ist egal, wie toll und hilfreich dieses Artefakt ist – trag’ DU es!”) Da in meiner Stammrunde auch sonst niemand einen magischen Charakter darstellt, sah ich bisher keinen arkanen Bildungsbedarf und besitze noch immer das alte (veraltete?) Liber Cantiones. Die Anschaffung des LCD ist natürlich jetzt eine Option, die ich aber dank der anstehenden Studiengebühren noch eine Weile hinausschieben muß :-(

Nach und nach beginnt sich mir die Faszination der Magie zu erschließen. Wie der entsprechende Charakter, so muß auch ein Magierspieler einiges an Zeit und Geisteskraft in das arkane Studium investieren – dann aber bieten sich ihm Möglichkeiten, die über Schwertgerassel und das karmale Wirken von Geweihten hinausgehen. Die Zauberwirkungen reichen von profanen Effekten (Gewand nähen, Haarfarbe ändern) bis hin zu beeindruckenden Manipulationen von Geist und Materie. Von den Formeln, die als verschollen gelten oder Meisterpersonen vorbehalten sind, will ich gar nicht erst anfangen. Ein Magier ist etwas freier und spontaner als der Geweihte mit seinen Liturgien, verfügt aber auch nicht über unendliche Energien und sollte wie dieser abwägen, welcher Zauber zum gegebenen Zeitpunkt sinnvoll ist (oder ob man nicht lieber eine weltliche Lösung wählen sollte). So ein Ignisphaero in der Kerkerzelle ist keine gute Idee – ebensowenig wie der Versuch, den frisch erlernten Bannbaladin an einem Praios-Hochgeweihten zu testen.

Die theoretische Beschäftigung mit einem Magier beginnt mir wirklich Spaß zu machen. Nun muß ich nur noch abwarten, wie sich der Charakter in der Spielpraxis schlagen wird – und ob ich auch dort meinen Gefallen an der Zauberei finden werde oder mich doch nach Schwert, Axt und Korspieß sehne ;-)

Hesindegefällige Grüße,

Yazz~

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