Nomen est omen?

“Tot wegen blöden Namen.” ~Spielerkommentar

Als ich den Blog “wiederentdeckte”, ahnte ich nicht, daß ich bald erst mal für längere Zeit offline sein würde. Ein ziemlich spontaner Umzug bremste meine Ambitionen erst einmal. Verzeihung an alle, deren Kommentare bisher nicht freigeschaltet wurden – das ist nun erledigt! Leider ist das Freischalten notwendig, da ich in der kurzen Geschichte des Blogs schon eine Menge Spam aussortieren durfte. Also ehrlich, so berühmt ist YUIW nun nicht, daß man hier spammen müßte ;P

Ich hatte in meiner Offlinephase also eine Menge Zeit, um mein altes Rollenspielmaterial durchzugehen, und stieß auf einige Texte, die ich vor vielen Jahren verfaßt hatte. Darunter war der Versuch, eine Art Starthilfe für Anfängerspieler und -meister zu verfassen. Mit den aktuellen Ergüssen zu Theorycrafting und Spielertypentheorie kann sie definitiv nicht mithalten. Eigentlich ist es ein niedlicher kleiner Text nach dem Motto “Hey, ich habe Rollenspiel endlich verstanden. Glaube ich.” Aber vielleicht kann der eine oder andere Neuling ja trotzdem etwas damit anfangen – oder es ergibt sich eine nette Diskussion daraus ;)

Ein Fundstück aus alten Zeiten (Auszug): “Wie benenne ich meinen Charakter?”

Auch wenn es so scheint: Nicht jeder Charakter in Aventurien heißt Alrik oder Alrike Sturmfels.

Vor allem angehende Helden, die ja per se etwas Besonderes sind, können daher durchaus aus der Masse herausstechende Namen tragen. Übertreiben sollte man es dabei allerdings auch nicht:

  • Arwen Abendstern, Morgaine le Fay, Gimli und Artus mögen tolle Namen sein, aber für einen DSA-Charakter sind sie eher unpassend. Man spielt nun einmal nicht den Charakter, dessen Namen man sich „geborgt“ hat, aber jeder wird im ersten Moment daran denken. Einerseits kann eine solche Benennung dann äußerst anmaßend scheinen, andererseits sorgt sie im Spiel typischerweise für Irritationen und jede Menge Gelächter, hindert aber am ernsthaften Charakterspiel: „Hihi, Gandalf – kannst du auch so schöne Rauchringe machen?“ – „Nee, die Conan-Filme sind scheiße. Und wenn dein Char Conan heißt, dann ist der auch scheiße.“ – „Legolas, mach’ doch mal die tolle Schild-Surf-Nummer aus dem Film!“ Na, genug gelesen? ;-)
  • Irdische Namen sind in manchen Fällen ebenfalls unpassend. Zum Beispiel existiert unter einigen Spielern scheinbar die Unsitte, ihren Helden englische Namen zu geben oder sie nach Bekannten / Sportlern / Lehrern zu benennen – doch in Aventurien herrscht eine andere Namensgebung vor, und der entsprechende Name sollte schon ein gewisses „Fantasy-Flair“ verbreiten und in die entsprechende Kultur passen. Es gibt kein „englisch“sprachiges Reich mit Namen wie „John“ oder „Sally“. Und ein Hesindegeweihter namens „Jan-Alexander“ bzw. eine Hexe namens „Anna-Sophie“ passen auch nicht so ganz nach Aventurien – so sehr einem diese Namen gefallen mögen. Auch von der christlichen Religion geprägte Namen wie „Gottfried“ oder „Christian“ werden sich im zwölfgöttergläubigen Aventurien nicht finden (lassen sich aber recht einfach durch Einsetzen entsprechender Götternamen zu „Tsafried“ oder „Boronian“ umwandeln). Es empfiehlt sich, die Namenslisten in „Wege der Helden“ durchzugehen und zu überlegen, ob ein Name vom Klang her in die entsprechende Kultur paßt.
  • Apropos Kultur: Wenn irische Namen auch für einen Albernier passend sein mögen – für eine Anoiha oder einen Maraskaner sind sie es eher nicht. Es gibt natürlich Ausnahmen, die sich vom Hintergrund her erklären lassen (z. B. ein „fremdländischer“ Elternteil oder der Trend, seinen Kindern elfische Namen zu geben). Im Allgemeinen sollte man jedoch für einen Tulamiden arabische, für einen Thorwaler skandinavische etc. Namen wählen. Oder man nimmt einfach einen Namen, der relativ „kulturneutral“ ist, bzw. wandelt einen bestehenden irdischen ab: Aus Jasmin kann in Garetien Jasinai werden, in Aranien Yasmina oder Yezemin und auf Maraskan Jasimajida.
  • Amüsante, „sprechende“ Namen, wie sie u. a. aus den Scheibenwelt-Romanen bekannt sind, mögen dort ja ganz lustig sein, aber bei einer Spielfigur sind sie auf Dauer eher lästig und Basis für eine ganze Menge flacher Witze. Überlegt im Zweifelsfall besser, ob ihr diesen Namen auch gern in eurem Personalausweis stehen hättet. Mit einem Namen wie „Schlendrian von Kuhkaffhausen“ oder „Hilla Hinterwäldler“ ist man für sein Leben gestraft – es sei denn, man ist ein Schelm.
  • Auf Anregung von “Der Sperling” (siehe Kommentare) noch eine Ergänzung: Auch aventurische “Prominente” eignen sich nicht unbedingt als Namensvorbild. Wie bei Legolas, Gimli & Co. werden diese Namen zu stark mit einer bestimmten Persönlichkeit assoziiert und wirken bei Spielerhelden meist anmaßend oder unpassend. Die Vornamen weniger bekannter Personen oder solche, die in der entsprechenden Kultur sehr weit verbreitet sind, sind schon gefahrloser zu verwenden. Allerdings muß sich der Charakter dann vielleicht häufiger die Frage gefallen lassen, ob er denn nach dem Fürsten von X benannt sei oder ob er wirklich “Y? So wie der bekannte Geweihte?” heiße ;-)

Quellen für Namen sind zum Beispiel:

  • http://20000-names.com/ Sehr große Auswahl inkl. Bedeutungen; Zusammenstellung nach Herkunft, Bedeutung oder Anfangsbuchstabe; auch Namen für Tiere; recht übersichtlich, aber optisch nicht allzu ansprechend
  • http://www.behindthename.com/ Geringere Auswahl; Bewertungs- und Kommentarfunktion; Suche nach verwandten Namen und alternativen Formen möglich; Bedeutung nicht immer direkt bei der Namensvariante zu finden, sondern nur bei der „Grundform“; Möglichkeit, sich eigene Listen zu erstellen und zu speichern; schlichte, übersichtliche Optik; diverse Community-Funktionen wie Umfragen und Forum (englischsprachig); „Name des Tages“
  • http://surnames.behindthename.com/ Die Nachnamens-Abteilung von „Behind the Name“.

Außerdem gibt es diverse Websites für Babynamen, mehr oder weniger ausführlich und zuverlässig.


Was mich persönlich interessiert:

  • Woher bezieht ihr die Inspirationen für eure Charaktere? Liste im WdH, Websites, oder eigene Kreativität?
  • Wie hieß euer allererster Charakter, und warum?
  • Was habt ihr für Namensvorlieben? Spezielle Kulturen oder bestimmte Klangqualitäten? Haben sich diese Vorlieben im Laufe der Zeit geändert?
  • Legt ihr Wert auf passende Bedeutungen?
  • Sind euch Namen überhaupt wichtig oder doch bloß “Schall und Rauch”?

Was mich betrifft…:

  • Ich nutze vor allem die oben verlinkten Websites, das WdH eher fürs spontane Benennen von NSCs. Einige wenige Namen habe ich mir selbst ausgedacht.
  • Mein erster Charakter war ein Söldner namens Leon. Ich hatte damals noch gar keine Ahnung von DSA (oder von Namenswebsites oder Regelwerken…) und habe schließlich spontan bei einem Charakter aus dem “Prügelspiel” Dead or Alive geklaut. Hätte ich geahnt, daß dieser Name einmal zum Trendnamen wird – nun ja, für mich wird Leon immer mein zynisches Söldnerschwein mit Charisma 8 sein ;)
  • Ich habe keine besonderen Vorlieben, aber ich mag vor allem Frauennamen, die nicht auf “a” enden. Das ist einfach zu… normal für meinen Geschmack. Klar, ich habe diverse Mädels mit “a-Namen”, aber oft gebe ich mir Mühe, so etwas zu vermeiden. Oh, und aus irgendeinem Grund kann ich Namen, die mit “B” beginnen, nicht leiden. Fragt nicht warum.
  • Passende Bedeutungen sind für mich beinahe ein Muß, gerne auch bei den Nachnamen. Nur wenn sich so gar nichts Klangvolles findet, weiche ich auf Namen aus, deren Bedeutung nicht direkt zum Charakter paßt.
  • Und aus dem Obenstehenden sollte ersichtlich sein: Ja, Namen sind ziemlich wichtig für mich. Mag die Charaktererstellung bei DSA auch langwierig sein, die meiste Zeit geht immer noch bei der Namenssuche drauf ;)

Viele Grüße und Praios mit Euch!

~Yazz

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